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Hallo Leser:in,

mit diesem Newsletter stellen wir dir zwei besondere Frauen vor, die in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen stehen.

Der aktuelle Blogbeitrag erzählt die Geschichte von Laura*, einer Sozialarbeiterin, die nach einem Unfall und einer schweren Infektion am Beginn eines veränderten Lebens steht. Dieser Herausforderung begegnet sie sehr bewusst – mit ihrer persönlichen Mischung aus Stärke, Trauer und Neugier.

Und im Kurzportrait spricht Sigrid Arnade davon, was Inklusion für sie bedeutet und wo sie in den kommenden Jahren Herausforderungen für Berlin sieht. Arnade setzt sich seit den 1980er-Jahren für Rechte und Empowerment behinderter Frauen ein. Heute ist sie Honorarprofessorin der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH).

Außerdem findest du unten wie gewohnt:
  • Bad News: Der BVG Muva wird eingestellt - wie gut die Alternative funktioniert, ist unsicher
  • Good News: Neues barrierearmes Frauenhaus eröffnet
  • Termine im März - in Berlin und online - zu Inklusion und Vernetzung in Kultur, Wissenschaft und Aktivismus
Hast Du Feedback, Fragen oder Themenvorschläge? Wir freuen uns auf den Austausch mit Dir! Erreiche uns ganz einfach unter info@berlin-inklusiv.de oder antworte auf diese E-Mail. Besonders freuen wir uns jetzt auch über Vorschläge für Termine und Kandidat:innen für die Kurzportraits!

Herzliche Grüße
Maria Milbert / Redaktion Berlin inklusiv
Neuer Blogbeitrag

„Ich bin die alte Laura im neuen Körper“ – Sozialarbeiterin steht nach einem Unfall vor einem neuen Leben

Eine Momentaufnahme

„Ich bin die alte Laura im neuen Körper“ – Sozialarbeiterin steht nach einem Unfall vor einem neuen Leben
Ein Sturz, eine kleine Wunde – und plötzlich ist nichts mehr wie zuvor. Laura, Sozialarbeiterin Mitte 50, überlebt eine seltene, lebensbedrohliche Infektion, verliert Beine und Teile ihrer Hände und steht vor einem radikal veränderten Leben. Dieses Porträt erzählt von Überleben, Entscheidungen am Rand des Todes und der Frage, wie ein gutes Leben im neuen Körper aussehen kann.

Bad News: Der BVG Muva wird eingestellt - wie gut die Alternative funktioniert, ist unsicher

Der flexible Rufbusdienst „BVG Muva“ für mobilitätseingeschränkte Menschen wird zum 28. Februar 2026 eingestellt. Muva ermöglichte unter anderem Rollstuhlfahrer:innen bei Aufzugausfällen direkte Fahrten mit eigenen Bussen – eine echte Hilfe für mehr Unabhängigkeit im Alltag. Der Grund für die Einstellung: Der Muva war insgesamt zu teuer geworden. Nach Einschätzung der Senatsverwaltung wurde er zudem von vielen Menschen, die ihn eigentlich nicht brauchten, „als Taxiersatz“ genutzt.

Ab März soll der „Barrierefreie Alternativverkehr“ (VBB-BAV) mit Taxen übernehmen. Die Wartezeiten sollen dann kürzer sein (ca. 10 statt 22 Minuten), aber ob genügend spezialisierte Inklusionstaxen angeboten werden können, ist noch unklar. Zudem wird der Service zunächst nur telefonisch erreichbar sein - für gehörlose Menschen ist er damit nicht barrierefrei zugänglich. Vielen Berliner:innen mit Behinderung bedeutet das erst einmal weniger Teilhabe und mehr Unsicherheit.

Quellen: nd, berlin.de

Good News: Neues barrierearmes Frauenhaus eröffnet


In Berlin gibt es eine gute Nachricht zum Schutz vor häuslicher Gewalt: Sozial- und Gleichstellungssenatorin Cansel Kiziltepe hat das inzwischen neunte Frauen- und Kinderschutzhaus eröffnet. Dort stehen 26 Familienplätze in 10 Wohnungen zur Verfügung, in denen gewaltbetroffene Frauen gemeinsam mit ihren Kindern sicher unterkommen können. Besonders wichtig: Die Wohnungen sind barrierearm gestaltet.

Das Haus bietet nicht nur sichere Unterkünfte, sondern auch psychosoziale Beratung durch Sozialarbeiterinnen, eine angestellte Psychologin für Krisensituationen sowie pädagogische Begleitung für Kinder. Mit der Eröffnung steigen die Kapazitäten in Berlin auf 393 Familienplätze mit insgesamt 859 Betten für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder – weitere Häuser sind bereits in Vorbereitung. Damit kommt Berlin der Umsetzung der Istanbul-Konvention einen Schritt näher und setzt zugleich ein wichtiges Signal: Schutz vor Gewalt soll auch für Frauen mit Behinderungen besser zugänglich werden.

Details zum neuen Frauenhaus, wie der Ort und die noch vorhandenen Barrieren, sind nicht öffentlich. Betroffene können sich jedoch beim bundesweiten "Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen" (Tel. 116 016) melden und finden Unterstützung.

Quelle: berlin.de

Im Kurzportrait: Sigrid Arnade Pionierin der Selbstbestimmung behinderter Frauen

Dr. Sigrid Arnade wurde 2023 von der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH) zur Honorarprofessorin ernannt und ist eine Pionierin für die Rechte von Frauen mit Behinderung. Seit den 1980er-Jahren setzt sie sich für Selbstermächtigung und Selbstorganisation ein, gründete Organisationen wie das Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V. und war maßgeblich an den Verhandlungen zur UN-Behindertenrechtskonvention beteiligt. Ihr Motto „Immer dranbleiben, nachhaken, niemals aufgeben“ prägt ihr Engagement, das mit Auszeichnungen wie dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurde.

Was war ein prägendes Erlebnis für Sie in Bezug auf Inklusion?

Die falsche amtliche deutsche Übersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Der englische Begriff „inclusion“ wurde mit „Integration“ übersetzt, obwohl es im Englischen wie im Deutschen sowohl inclusion/Inklusion als auch integration/Integration gibt und sich es sich um zwei unterschiedliche Konzepte handelt.

Welche konkreten Ziele verfolgen Sie aktuell in Ihrer Arbeit?

Die Umsetzung der UN-BRK in Deutschland. Das bedeutet vor allem, dass ich mich für mehr Selbstbestimmung, mehr Barrierefreiheit, mehr Gewaltschutz und mehr Inklusion in der Bildung, beim Arbeiten und Wohnen einsetze.

Was war ein wichtiger Schritt oder Erfolg ihrer Tätigkeit?

Die Grundgesetzergänzung von 1994 um den Satz „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ und die starke Verankerung der Rechte von Frauen mit Behinderungen in der UN-BRK. Ich war jeweils eine von vielen Aktiven, denen diese Erfolge zu verdanken sind.

Welche Herausforderungen sehen Sie derzeit für Inklusion in Berlin?

Eine große Gefahr sehe ich vor allem in dem zunehmenden Rechtsruck der gesamten Gesellschaft mit der parallelen Entsolidarisierung. Gespart wird bei denen, die sich am wenigsten wehren können. Und dazu gehören behinderte Menschen.

Wo sehen Sie Berlin in Sachen Inklusion in 5 Jahren?

Ich wünsche mir eine gelungene schulische Inklusion, Überführung der Werkstätten für behinderte Menschen in Inklusionsfirmen oder ihre Auflösung, eine barrierefreie Stadt mit genügend barrierefreiem Wohnraum, effektiven Gewalt- und Diskriminierungsschutz, funktionierende Assistenzmodelle und eine Psychiatrie ohne Zwang. Realistisch betrachtet befürchte und erwarte ich leider das Gegenteil. Trotzdem lohnt der Kampf, damit das Schlimme etwas weniger schlimm wird.

*Bild von Sigrid Arnade: Zeichnung erstellt mit ChatGPT auf der Basis eines Fotos von Guila Iannicelli

Termine im März - in Berlin und online

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