Im Kurzportrait: Linn Bade
Berliner Aktivistin, Beraterin und Schauspielerin
Linn Bade, 2000 in Berlin geboren, kennt Ausgrenzung aufgrund von Behinderung aus eigener Erfahrung – und setzt sich nun öffentlich dagegen ein. Mit dem Online-Projekt „Handicap Lexikon“ und dem Verein IN-Gesellschaft e.V. legte sie früh den Grundstein für ihre Arbeit an einer inklusiveren Gesellschaft. Heute ist sie selbstständig als Referentin und Workshopleiterin tätig und begleitet Organisationen dabei, Barrieren zu erkennen und abzubauen. Parallel dazu klärt sie auf Instagram und TikTok über Behinderung, Inklusion und Queerness auf – und begeistert damit über 40.000 Follower:innen.
Was war ein prägendes Erlebnis für Sie in Bezug auf Inklusion?
Mein größtes Ereignis war die Errungenschaft, die Finanzierung von Persönlicher Assistenz im Arbeitgeber:innen-Modell zu sichern. Ich lebe seit 2018 mit Assistenz, die ich über das Arbeitgeber:innen-Modell selbst anstelle. Dies ist eine alternative Form zum Assistenzdienst, die mir eine hohe Flexibilität und damit auch Teilhabe gibt. Jedoch stand die Refinanzierung unseres Tarifvertrages lange Zeit auf der Kippe, was eine ungleiche Entlohnung der Assistenzen zur Folge hatte. In den letzten Jahren haben wir mit zahlreichen Aktionen die Landespolitik dazu aufgefordert, diese Ungerechtigkeit zu stoppen, indem unser Tarifvertrag vollumfänglich anerkannt wird. Dies haben wir nun erreicht. Das ist ein großer Gewinn für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung und damit auch für Inklusion.
Welche konkreten Ziele verfolgen Sie aktuell in Ihrer Arbeit?
Ich bin nun seit 3 Jahren fast komplett selbstständig und finanziere mich über Buchungen meiner Workshops und über eigene Projekte. Ich möchte dies festigen, mehr Menschen erreichen und Inklusion in die Mitte unserer Gesellschaft bringen. Gleichzeitig schaue ich gerade selbst, wie lange ich diesen sehr dankbaren, aber auch herausfordernden Weg gehen möchte oder mehr Sicherheit durch eine regelmäßige Beschäftigung bevorzuge.
Was war ein wichtiger Schritt oder Erfolg Ihrer Tätigkeit?
Sehr fördernd war auf jeden Fall, meine Arbeit auch auf Social Media zu stellen. Dort zeige ich in diversen Clips bestimmte Situationen, die ich täglich mit meiner Behinderung erlebe, und rege zum Nachdenken an. Zudem ist das zu einem guten Werbemittel geworden, um viele zu erreichen, wodurch ich viele neue Menschen kennenlerne und an neue Aufträge komme.
Welche Herausforderungen sehen Sie derzeit für Inklusion in Berlin?
Gesetze gibt es viele. Jedoch scheitert es so oft an der Umsetzung. Ich denke, die enorme Bürokratie muss dringend abgebaut werden, damit Sachen schneller umgesetzt werden können. Gerade beim ÖPNV mangelt es überall an geschultem Personal und Barrierefreiheit.
Wo sehen Sie Berlin in Sachen Inklusion in 5 Jahren?
Ich denke, dass Berlin durchaus inklusiver werden wird. Inklusion wird gerade immer mehr zum Thema, wenn auch sehr langsam. Aber ich sehe auch, wie sich immer mehr Menschen zeigen und ihre Stimme erheben. Wenn es wächst und dadurch der Druck auf die Politik erhöht wird, kann es nur zum schnelleren Fortschritt führen und das wäre für alle von Vorteil.