Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Berlin steigt weiterhin alarmierend. Viele von ihnen leben mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung, was ihren Alltag und den Zugang zu Hilfen erschwert. In diesem Beitrag werden Herausforderungen beleuchtet und Wege aufgezeigt, wie bestehende Unterstützungsangebote erweitert werden können.
Die drängende Krise der Wohnungslosigkeit
Obdachlosigkeit bis zum Jahr 2030 zu beenden – das hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt. Stattdessen passiert derzeit das Gegenteil: Immer mehr Menschen werden wohnungs- oder obdachlos. So zeigen die aktuellen Hochrechnungsergebnisse der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, dass 2024 rund 1.029.000 Menschen in Deutschland wohnungslos waren – 100.000 mehr als noch ein Jahr zuvor. Etwa die Hälfte von ihnen lebte ganz ohne Unterkunft auf der Straße, war also obdachlos.
Die derzeitigen Pläne der Bundesregierung zur Verschärfung der Grundsicherung würden diese Situation noch verschärfen. Davor warnte kürzlich der Paritätische Gesamtverband in einem offenen Brief:
Die aktuellen Verabredungen des Koalitionsausschusses sehen die Option vor, „alle Leistungen einschließlich Kosten der Unterkunft komplett einzustellen“. […] Diese Regelung öffnet Wohnungs- und Obdachlosigkeit unter Hilfebedürftigen und ihren Familienangehörigen Tür und Tor. Besonders gravierend ist, dass die Einstellung der KdU nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Familien treffen wird – darunter Kinder, Schwangere, pflegebedürftige Angehörige sowie Menschen mit Behinderungen, die bei ihren Eltern leben.
Der Paritätische Gesamtverband im Oktober 2025
Aber natürlich sind nicht nur Menschen mit Behinderung, die in Familienzusammenhängen leben, von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen. Aktuelle Statistiken zeigen, dass viele kein eigenes oder nur ein temporäres Dach über dem Kopf haben. Diese schwierigen Lebenssituationen werden in den Medien nur selten sichtbar gemacht.
Für diese Situation gibt es verschiedene Ursachen, unter anderem die Trennung der Hilfesysteme: Menschen mit Pflegebedarf werden von Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe häufig nicht aufgenommen, wenn sie spezielle Assistenzleistungen benötigen. Umgekehrt verlangen Einrichtungen der Eingliederungshilfe meist einen festen Wohnsitz, wodurch viele wohnungslose Menschen von diesen Angeboten ausgeschlossen werden.
Die unsichtbare Überschneidung: Wie viele wohnungslose Menschen haben eine Behinderung?
Es gibt nur wenig sichere Informationen darüber, wie viele Menschen mit Behinderung in Deutschland keine eigene Wohnung haben oder auf der Straße leben. Einigen Aufschluss gibt der Wohnungslosenbericht, den die Bundesregierung dieses Jahr vorgelegt hat und für den wohnungslose Menschen zu ihrer Lebenssituation befragt wurden.
Dabei gaben über 50% der Befragten an, eine Behinderung oder chronische Erkrankung zu haben – einschließlich Suchterkrankungen. Insgesamt rund 20% berichteten von einer körperlichen Erkrankung oder Behinderung, davon etwa die Hälfte in Verbindung mit psychischen und Suchterkrankungen.
Der Bericht fasst die Lage drastisch zusammen:
Nur knapp die Hälfte der verdeckt wohnungslosen Personen (47 %) und gerade einmal ein Drittel (33 %) der wohnungslosen Personen ohne Unterkunft leiden nicht an einer langfristigen und dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigung. Eine Mehrheit ist dagegen schwer gesundheitlich eingeschränkt.
Die Studie ergab zudem, dass ein großer Teil der wohnungslosen Menschen gesundheitlich „unterversorgt“ ist: Etwa ein Drittel der Befragten geht im Krankheitsfall nicht zum Arzt oder ins Krankenhaus. Die Gründe sind vielfältig, am häufigsten wurden fehlende Krankenversicherung und Erfahrungen mit schlechter Behandlung im Gesundheitssystem angegeben. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung schätzten deutlich mehr wohnungslose Menschen ihren Gesundheitszustand als nicht gut, schlecht oder sehr schlecht ein.
Weiteren ernüchternden Schätzungen zufolge fällt die Lebenserwartung wohnungsloser Menschen in Deutschland insgesamt etwa 10 Jahre geringer aus als in der Gesamtbevölkerung. Gerade ältere wohnungslose Menschen sind im Altersvergleich häufiger pflegebedürftig und gleichzeitig pflegerisch unterversorgt, da Pflegedienste selten Leistungen für wohnungslose Menschen anbieten (Giffhorn 2017).
Warum sind so viele Menschen mit Behinderung wohnungslos?
Die hohe Zahl wohnungsloser Menschen mit Behinderung ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis eines Wohnungsmarkts, der schon für viele nicht behinderte Menschen mit Wohnung und Arbeitsplatz kaum zu bewältigen ist – und der für bestimmte Gruppen zusätzliche, oft unüberwindbare Barrieren bereithält.
Kein Geheimnis: Der Wohnungsmarkt ist schwierig
Dass die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Deutschland sich seit Jahren zuspitzt, ist bekannt. Und gerade die Situation in Berlin ist aus guten Gründen berüchtigt: Es gibt kaum Leerstand, der Quadratmeterpreis ist extrem gestiegen, und es fehlt insbesondere an Wohnungen im unteren bis mittleren Preissegment. Wie das Wohnungsmarktbarometer der Investitionsbank Berlin (IBB) im Oktober 2025 gezeigt hat, verschärft sich dieser Trend immer weiter. Die Bank geht davon aus, dass das Angebot an Wohnungen im Verhältnis zur Nachfrage auch in den kommenden Jahren geringer wird.
Für Menschen mit einer Behinderung kann die Suche nach einer passenden Wohnung jedoch besonders schwierig sein. Dies liegt unter anderem daran, dass sie häufiger als die Gesamtbevölkerung zu einkommensschwachen Gruppen gehören bzw. staatliche Unterstützung erhalten. Ihr Armutsrisiko ist deutlich erhöht, insbesondere für Frauen mit Behinderung. Daher ist das geringe Angebot an günstigen Wohnungen für sie besonders gefährlich. Hinzu kommen häufig bestimmte Anforderungen an die Wohnung – und der Mangel an barrierefreiem bzw. -armem Wohnraum.
Es gibt zu wenige barrierefreie Wohnungen – und die bekommt nicht immer, wer sie braucht
Der Berliner Wohnungsmarkt wächst – aber lange nicht so schnell wie Berlin. Aktuelle Zahlen aus dem Wohnraumbedarfsbericht des Berliner Senats belegen dies: Zwar kamen während der letzten 10 Jahre über 300.000 Personen nach Berlin, pro Jahrzehnt werden aber nur etwa 160.000 neue Wohnungen gebaut.
„Neben vielen, die sich eine normale Mietwohnung nicht mehr leisten können, trifft die Wohnungskrise besonders verletzliche Gruppen“, schreibt der Berliner Mieterverein. Dazu gehören jene, die auf barrierefreien Wohnraum angewiesen sind, denn aktuell fehlen laut Wohnraumbedarfsbericht rund 57.000 barrierefreie und barrierereduzierte Wohnungen in Berlin.
„Die tatsächliche Versorgungslücke“, heißt es im Bericht des Senats, „dürfte allerdings noch deutlich größer sein“. So wohnen einerseits mobilitätseingeschränkte Personen derzeit (noch) nicht immer in bedarfsgerechten Wohnungen. Andererseits entscheiden sich auch Menschen, die nicht auf barrierefreien Wohnraum angewiesen sind, teilweise für entsprechende Wohnungen, beispielsweise aufgrund der „Lage, Ausstattung oder Anbindung“. Das heißt: Mobilitätseingeschränkte Menschen konkurrieren auf dem Wohnungsmarkt auch um barrierefreie Wohnungen mit anderen Haushalten. Und gleichzeitig steigt der Bedarf: Da unsere Gesellschaft insgesamt altert, sind prozentual immer mehr Menschen auf barrierefreien Wohnraum angewiesen.
Drei Jahre Wohnungssuche: Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt
Bei der ohnehin schwierigen Suche nach einer barrierefreien Wohnung sind Menschen mit Behinderung häufig mit Vorurteilen aufseiten der Vermieter:innen konfrontiert. Einer aktuellen Studie des Pestel-Instituts, in Auftrag gegeben durch die Caritas, zufolge gibt es „in Deutschland keine diskriminierungsfreie Vermietung“. Menschen mit Behinderung werden als risikobehaftete Gruppe gesehen, denen Vermieter:innen häufig nicht oder nur zögerlich Wohnraum überlassen.
Für Baden-Württemberg resümierte eine weitere durch die Caritas in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2021:
Die Suche nach geeignetem Wohnraum erfordert von Menschen mit Behinderung und den sie begleitenden Einrichtungen […] viel Geduld und Ausdauer. Von wenigen Kreisen abgesehen muss mit Such- und Wartezeiten von einem Jahr und mehr gerechnet werden. Mit zunehmender Wohnungsknappheit steigt auch die Suchzeit an. Für städtische Wohnungsmärkte mit ausgeprägtem Wohnungsmangel wurde von Zeiträumen von bis zu 3 Jahren berichtet.
Studie des Pestel-Instituts zur Wohnsituation von Menschen mit Behinderung
Diese diskriminierende Situation führt dazu, dass viele Betroffene resignieren und länger als nötig in stationären Einrichtungen oder bei ihren Eltern wohnen.
Aber auch Wohnungslosigkeit selbst ist ein wesentlicher Diskriminierungsfaktor. Für eine partizipative Studie zur Diskriminierung wohnungsloser Menschen bei der Wohnungssuche aus dem Jahr 2024 wurden wohnungslose Menschen nach ihren Erfahrungen gefragt. 73% der Befragten gaben an, Diskriminierung erlebt zu haben. Neben ihrer Ablehnung durch Vermieter:innen aufgrund der Wohnungslosigkeit erlebten viele der Befragten Vorurteile und Abwertung wegen ihrer Armut und sozialen Stellung. Die erlebten Diskriminierungen sind oft so massiv, dass sie zum Rückzug vom Wohnungsmarkt führen. Damit manifestiert sich ein Teufelskreis: Wer einmal wohnungslos ist, findet schwerer Zugang zu regulärem Wohnraum. Das heißt: Wohnungslosigkeit ist sowohl eine Folge als auch eine Ursache struktureller Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt.
Diese Diskriminierung wohnungsloser Menschen bezieht sich jedoch nicht nur auf die Wohnungslosigkeit und damit verbundene Armut, sondern auch auf andere Merkmale. Bei den Diskriminierungserfahrungen von 16% hat Behinderung oder chronische Erkrankung eine Rolle gespielt. So berichtet ein:e Befragte:r:
Teilweise wurde sogar gesagt, wir suchen für länger, bei ihren Krankheiten sind sie uns zu unsicher als Mieter. Dumm eigentlich, denn ich möchte weder nochmal umziehen, noch ziehe ich wegen eines Jobs um. Meist bekommt man noch nicht mal Besichtigung, wenn man angibt, dass man gehbehindert ist.
Befragte:r in der Studie „Zugang verweigert – Barrieren und Diskriminierung wohnungsloser Menschen am Wohnungsmarkt“
Den Ergebnissen der Studie zufolge machen diese Erfahrung ebenso Menschen mit körperlichen Behinderungen wie auch Menschen mit Diagnosen psychischer Erkrankungen bzw. Krisenerfahrungen.
Getrennte Hilfen? Lücken zwischen Wohnungslosen- und Behindertenhilfe
Wohnungslosen Menschen stehen eine Reihe kurz- und langfristiger Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung, beispielsweise Notunterkünfte, Übergangswohnheime, Beratungsstellen und der Berliner Kältebus. Leider sind diese Anlaufstellen nur selten auf die Belange von Menschen mit Behinderungen eingestellt. Umgekehrt gibt es in der Eingliederungshilfe auch Hürden für wohnungslose Menschen.
Berliner Kältehilfe hat kaum Mittel zur Unterstützung von Menschen mit Behinderungen
Die Berliner Kältehilfe bietet wohnungs- und obdachlosen Menschen in den Wintermonaten ein umfassendes Unterstützungsangebot, unter anderem Notunterkünfte. Seit Jahren beklagt die Organisation jedoch, beispielsweise Rollstuhlfahrer:innen kaum unterstützen zu können, da hierfür die Mittel fehlen. Die Koordinationsstelle der Kältehilfe bestätigt dies auf Nachfrage von Berlin inklusiv: Weiterhin gebe es keine Pflegemittel wie Tragehilfen oder Lifter in den Notunterkünften. Es ist auch niemand pflegerisch ausgebildet – zudem fehlt schlicht die „Manpower“ zur Pflege. „Zur Not“, heißt es, „fassen die Ehrenamtlichen mit an und versuchen, irgendetwas hinzubekommen“.
Der Kältebus, der obdachlose Menschen in Berlin nachts abholen und zu Notunterkünften bringen kann, verfügt immerhin über eine Rampe für Rollstuhlfahrer:innen. Oft kann er Hilfesuchende trotzdem nicht mitnehmen. Der Grund: Es gibt kaum barrierefreie Notunterkünfte in Berlin. Laut dem aktuellen Wegweiser der Kältehilfe sind es in diesem Winter drei, die zudem über begrenzte Plätze verfügen.
Betreutes Einzelwohnen: ein Weg aus der Wohnungslosigkeit?
Betreutes Einzelwohnen, kurz BEW, ist eine ambulante Hilfeform, bei der Menschen in ihrer eigenen Wohnung leben und je nach Bedarf professionelle Hilfe erhalten, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Unterstützung erfolgt in der Regel durch Fachkräfte wie Sozialarbeiter:innen. Sie können im Rahmen regelmäßiger Termine dabei helfen, das Leben (wieder) passend zur eigenen Situation zu gestalten: die richtigen Hilfsmittel, staatlichen Leistungen, einen Job oder eine passende Wohnung zu finden.
Man könnte denken: Diese umfassende Hilfe ist für viele ein Weg aus der Wohnungslosigkeit. Wohnungslosen Menschen mit Behinderung stellen sich jedoch auch hier einige Herausforderungen.
Das weiß unter anderem Moritz Preuss zu berichten. Er ist Sozialarbeiter in einem Wohnheim der Berliner Stadtmission, das alleinstehenden, wohnungslosen Menschen vorübergehend ein Zuhause bietet. Das Reinickendorfer Wohnheim ist eines der wenigen in Berlin, die über barrierefreie Zimmer verfügen.
Auch Pflegedienste können hier eingebunden werden. Dazu kommt es jedoch selten, erzählt Preuss, da die Dienste meist „keine Lust haben“, im Bereich der Wohnungslosenhilfe zu arbeiten. Angebote der Eingliederungshilfe wie das BEW schätzt er als extrem hilfreich für die Bewohner:innen des Heims ein – als Weg zur eigenen Wohnung. Leider scheint diese Unterstützungsform für viele nicht erreichbar – weil die Träger der Eingliederungshilfe in den Bezirken sie als herausfordernde Klient:innen einschätzen und nicht annehmen.
Wie kommt es dazu? Phönix Soziale Dienste* ist ein Träger der Eingliederungshilfe, der bezirksübergreifend arbeitet. Er bietet unter anderem Betreutes Einzelwohnen an, das auch Hilfe bei der Wohnungssuche umfassen kann, berichtet Katrin Schollmeyer, Case Managerin bei Phönix. Dennoch kommt es nur selten zur Begleitung wohnungsloser Menschen, weil die Gesetzesgrundlagen andere sind. Wohnungslose Menschen werden im BEW im Rahmen des § 67 SGB XII unterstützt – mit dem klar umrissenen Ziel, eine eigene Wohnung zu finden. In der Eingliederungshilfe hingegen ist die Grundlage der § 78 SGB IX – die Unterstützung zur sozialen Teilhabe. Beide Leistungen gleichzeitig übernehmen die Ämter nicht.
Schollmeyer bedauert das und weiß um die Herausforderungen dieser Konstellation: „Viele Menschen mit Behinderung haben im Obdachlosenheim zwar ein Dach überm Kopf, sind aber völlig unterversorgt – nicht zuletzt pflegerisch.“ Auch ihre Teilhabe an der Gesellschaft sei eingeschränkt, weil sie beispielsweise keine Unterstützung bei Behördengängen oder beim Besuch von Veranstaltungen erhalten. Schollmeyers Einschätzung nach ist die Unterstützung im Rahmen der Eingliederungshilfe auch für obdach- und wohnungslose Menschen durchaus möglich, soweit neben der Wohnungslosigkeit auch ein Unterstützungsbedarf zur sozialen Teilhabe vorliegt. Dann müsse man bei den Ämtern auf Einzelfallentscheidungen hinwirken.
Die Ämter – das ist auch so ein Thema. Preuss berichtet aus seiner Erfahrung in der Wohnungslosenhilfe, dass bereits zwischen der Beantragung Betreuten Einzelwohnens und der Vorstellung bei einem Träger Monate vergehen können. Auch andere Bereiche der Versorgung wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen sind von solchen Verzögerungen betroffen, beispielsweise die Grundsicherung. Hier kann sich die erste Zahlung manchmal um ein halbes Jahr verzögern – aus Gründen, die von außen oft nicht nachvollziehbar sind. Bereits zwei Monate Zahlungsverzug führen jedoch oft dazu, dass ein privater Vermieter kündigt. Das Sozialamt achte in erster Linie darauf, „dass keiner einen Cent zu viel bekommt“ – und lasse dabei viele Menschen unterversorgt.
Beratung und Support zum Thema Wohnungslosigkeit, Diskriminierung und/oder Behinderung in Berlin
Es gibt viele Stellen, an die man sich in Wohnungskrisen oder bei Diskriminierung aufgrund von Behinderung wenden kann. Eine Auswahl.
- Ambulanz der Berliner Stadtmission: medizinische Hilfe, mit einem Pflegezimmer und regelmäßigen Sprechstunden
- Antidiskriminierungsberatung Alter, Behinderung, Chronische Erkrankung, Tel. 030 / 27 59 25 27
- Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt „Fair mieten – Fair wohnen“, Tel. (0 30) 62 73 16 68
- Hilfe-Hotline für obdachlose Menschen: 0157 80 59 78 70 (Mo – Fr 09:00 – 17:00 Uhr)
- Kältehilfetelefon: 030 34 39 71 40 (täglich 19:00 – 23:00 Uhr)
- Liste des Berliner Senats mit Beratungsangeboten für wohnungslose EU-Binnenmigrant:innen
- Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot in Berlin, Tel. 030 / 390474-0
Wohnungslosigkeit von Menschen mit Behinderungen in Berlin: Was muss sich verändern?
Was braucht es, um wohnungslose Menschen mit Behinderung wirksam zu unterstützen? Wie kann ihre Wohnungslosigkeit von vornherein vermieden werden? Bedürfnisse und Anforderungen können vielfältig sein und hängen stark davon ab, um welche Lebens- und Gesellschaftsbereiche und um wessen Bedarfe es geht. Dennoch lassen sich einige zentrale Handlungsfelder benennen, die grundlegend sind für mehr Teilhabe, Schutz und ein menschenwürdiges Leben:
- Schnellere und flexiblere Leistungsbearbeitung in Ämtern
- Mehr Barrierefreiheit und geschulte Mitarbeitende in der Wohnungslosenhilfe
- Mehr barrierefreier und bezahlbarer Wohnraum durch Neubau und Umbau
- Vorrangige Vergabe barrierefreien Wohnraums an Menschen mit Behinderung
- Pflegeangebote, die wohnungslose Menschen in Übergangswohnheimen unterstützen
- Förderung sozialer Netzwerke und Begleitung zur Vermeidung von Isolation
- Sensibilisierung von Vermieter:innen gegen Diskriminierung
Nur durch ein Zusammenspiel dieser Maßnahmen kann der Kreislauf von Wohnungslosigkeit und Behinderung durchbrochen werden. Es braucht anhaltendes politisches Engagement, gesellschaftliche Solidarität und genügend Ressourcen, damit wohnungslose Menschen auch mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung sowohl Unterkunft als auch eine echte Chance auf selbstbestimmtes Wohnen erhalten.
Links & Literatur
- Giffhorn B: Ältere wohnungslose Menschen. In: Specht T, Rosenke W, Jordan R, Giffhorn B: Handbuch der Hilfen in Wohnungsnotfällen. Entwicklung lokaler Hilfesysteme und lebenslagenbezogener Hilfeansätze. Düsseldorf/Berlin 2017.
- Studie des Pestel-Instituts (2023): Wohnsituation von Menschen mit Behinderung im LWL-Gebiet
- Wohnraumbedarfsbericht der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen 2025
- Wohnungslosenbericht der Bundesregierung (2025)
- Schelter-Map und Wegweiser der Berliner Kältehilfe
*Berlin inklusiv ist ein Blog von Phönix – Soziale Dienste.
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